Honor Harrington Wiki
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Bei Piraterie im Honorverse handelt es sich (nicht anders als in der Seefahrt auf Alterde) um Gewalttaten, Eigentumsdelikte oder Freiheitsberaubungen, die zu eigennützigen Zwecken unter Gebrauch eines Raumfahrzeugs in den Randzonen von Sonnensystemen oder in anderen Gebieten verübt werden, die keiner staatlichen Gewalt unterliegen.

Vergleichbare staatliche Maßnahmen stellen, selbst wenn sie unrechtmäßig sind, keine Piraterie dar. In diesen Fällen, die von regulären Kriegsschiffen unter der Flagge ihres Staates verübt werden, handelt es sich meist um Kaperungen oder Angriffe im Zuge von Handelskrieg-Operationen.

Das Wort Pirat ist abgeleitet von lateinisch pirata „Seeräuber“. Dieses ist ein lateinisches Lehnwort zu altgriechisch πειρατής peirātḗs, das sich über πεῖρα peira „Wagnis, Unternehmen, Überfall“ von πειρᾶν peiran „versuchen, unternehmen, auskundschaften“ ableitet. Da πειρατής im Griechischen auch einfach einen Kämpfer zur See bezeichnen konnte, dessen Legitimität man bestritt, gab es daneben den präziseren Ausdruck καταποντιστής katapontistḗs, der tatsächlich ausschließlich einen Seeräuber im engeren Sinne bezeichnete.

Die Wörter Flibustier und Bukanier bezeichnen ursprünglich zwei Gruppen von Freibeutern in der altirdischen Karibik, sie werden jedoch bisweilen auch als Synonyme für die Freibeuterei – also Seeräuberei im Auftrag einer kriegführenden Macht – oder gar die Piraterie im Allgemeinen verwendet.


Status[]

Piraterie ist im Honorverse allgemein geächtet. Alle Sternnationen sind daher unabhängig von der Nationalität der Täter und ihrer Fahrzeuge sowie vom Tatort zu ihrer Bekämpfung und Verfolgung berechtigt und dabei zur Zusammenarbeit verpflichtet. Alle Raumflotten und Systemverteidigungstruppen tun dies in ihren Hoheitsbereichen und teils auch darüber hinaus.

Dennoch tritt Piraterie als überdauerndes Phänomen der Kulturgeschichte auch im Honorverse immer auf, wenn die Voraussetzungen dazu gegeben sind. Dies ist überall dort der Fall, wo der interstellare Handel ein ausreichend großes Aufkommen erreicht, gleichzeitig die Intensität der Überwachung und Bekämpfung ein bestimmtes Maß im Verhältnis zum Raumvolumen nicht überschreitet und ein Teil der Bevölkerung in der Piraterie eine lohnende Alternative zu anderer Beschäftigung sieht. Im Honorverse trifft dies vor allem auf die Randzone und einzelne Sternnationen mit wenig effizienten Behörden zu, außerdem Regionen, in denen vergleichsweise arme Kolonien in der Nähe reicherer, wirtschaftlich besser gestellten Nachbarn liegen. Betroffen ist weit überwiegend die Frachtschifffahrt, die meist ihres Bargeldes und der Wertgegenstände, seltener des Schiffes oder der Ladung beraubt wird.


Klassifizierung[]

Generell werden drei Arten von Piratenangriffen unterschieden:

  • low level armed robbery (LLAR), der Angriff von leichtbewaffneten Piraten mit Kleinstschiffen mit dem Ziel, die persönlichen Habseligkeiten der Besatzung und das Geld an Bord in ihren Besitz zu bringen
  • medium level armed assault and robbery (MLAAR), gewaltsame Angriffe von gut organisierten Banden, die Diebstähle in größerem Umfang durchführen und vor der Tötung von Besatzungsmitgliedern nicht zurückschrecken
  • major criminal highjack (MCHJ), interstellare, gut organisierte Großbanden, ausgerüstet mit leichten bis mittelschweren militärischen Schiffen, die ganze Schiffe stehlen und die Besatzungen entweder für Lösegeld festhalten oder rundheraus aussetzen bzw. töten.


Piratenziele[]

Bei allen Piratenangriffen geht es unter dem Strich immer nur um eines: Profit für sich selbst oder die hinter der Piraterie stehenden Organisationen und "Investoren".

Für organisierte Piratenbanden, die auf ein Lösegeld abzielen, ist vorrangig die kommerzielle Berufsraumfahrt von Interesse. Dabei werden Schiffe samt Besatzung gekapert und nur gegen Zahlung eines entsprechenden Lösegelds durch die Reederei wieder freigegeben. Die Verhandlungen und Zahlungen werden meist professionell über Unterhändler abgewickelt. Diese Banden sind meist sehr gut organisiert und führen ihre Operationen mit Schiffen durch, die teils aus militärischen Beständen stammen. In eine ähnliche Kategorie fallen Piraten, die im Auftrag rückständiger Kolonien operieren, hier geht es hauptsächlich darum, für diese Kolonien "ein Stück des Kuchens abzuschneiden", von dem sie ansonsten nichts abbekämen. Allerdings werden mitunter auch Frachter selbst als Beute genommen, um sie selbst weiter zu benutzen oder zu verkaufen.

In den meisten anderen Fällen sind die Piraten nicht an der Ladung, sondern am Inhalt des Schiffstresors und sonstigen schnell transportierbaren und wertvollen Gegenständen interessiert. Derartige Überfälle erfolgen als Blitzangriffe.

In jedem dieser Fälle hängen die Überlebenschancen der Frachterbesatzungen von den Interessen der Piraten, deren Stimmung und auch dem Grad ihrer Verrohung ab. Ist die Besatzung das Ziel, um Lösegeld zu erpressen, haben sie wenig zu befürchten... ist das Schiff als Beute dagegen das Ziel, reduziert sich ihre Überlebenschance auf den Grad ihrer Notwendigkeit, das Schiff zu betreiben. Besonders schlecht stehen ihre Chancen, wenn die Piraten auf "Spaß" aus sind oder die Ladung für sie keinen Wert hat und sie beschließen, sich an der Besatzung "zu entschädigen". Weibliche Besatzungsangehörige sind zudem häufig das Ziel von sexuellen Übergriffen und all zu oft Opfer erfolgreich vollzogener Mehrfach- und Gruppenvergewaltigungen.


Vorgehen[]

Die meisten Piraten lauern kurz hinter der so genannten Hypergrenze eines Sonnensystems und warten darauf, dass ihr Ziel diese systemeinwärts überschreitet, also nicht mehr in den Hyperraum ausweichen kann. Bedingt durch die physikalischen Gesetze der Hypertransition sind Frachter kurz nach dem Transit in den Normalraum sehr langsam und das Piratenschiff hat den Vorteil der Überraschung sowie der höheren Beschleunigungsfähigkeit. Zudem sind Frachter im Gegensatz zu den Piraten üblicherweise nicht bewaffnet, so dass die Piraten ihr Ziel mit der Drohung des Waffengebrauchs zur Aufgabe und zum Stoppen zwingen können. Das Piratenschiff nähert sich dann seinem Ziel auf Minimaldistanz an und setzt in klassischer Entermanier Shuttles ein, um Enterkommandos an Bord des Ziels zu bringen, während das Mutterschiff dieses weiter mit seinen Waffen bedroht.

Mitunter arbeiten Piraten mit Informationen offizieller Behörden. So ist zu erklären, dass teilweise Überfälle genau dann stattfinden, wenn ganz bestimmte Frachter ins System eintreten und die Piraten in perfekter Abfangposition lauern. Überfälle aus materieller Notlage erfolgen meist auf zufällig ausgewählte Ziele und mit schlecht ausgerüsteten Schiffen.

Am Beispiel der Silesianischen Konföderation zeigt sich, dass selbst Gesetzeshüter zu lizenzierten Piraten werden können: Es wurden immer wieder Einheiten der Silesian Confederate Navy dabei gestellt, wie sie selbst als Piraten aktiv waren. Außerdem wurden regelmäßig silesianische Sektorkommandanten und -gouverneure der Zusammenarbeit mit Piratenbanden überführt oder zumindest verdächtigt. Im Ergebnis kam es immer wieder zu Situationen, in denen aufgebrachte Piratenschiffe und deren Besatzungen von den lokalen Behörden wieder in ihr schmutziges Geschäft entlassen wurden, sobald die Marineschiffe, die sie gestellt hatten, das System verlassen hatten.


Maßnahmen gegen Piraterie[]

Schiffssicherung[]

Zum Schutz vor Piraten schließen Schiffsbesatzungen auf großen Schiffen, sobald die Gefahr eines Überfalls besteht, alle offenen Türen und Luken; auf den unteren Decks werden Türen teilweise verschweißt. Zugleich bietet das Handelsschiff dem Piraten den undurchdringlichen Impellerkeil dar, um Beschuss auf größere Distanz zu vermeiden. Dabei wird auch darauf gebaut, dass die Zielerfassungssysteme des Piraten nur eine geringe Leistungsfähigkeit aufweisen und der Pirat zudem kein Interesse daran hat, teure Munition für wenig erfolgsversprechende Warnschüsse zu verschwenden. Die eigentliche Abwehr kann durch willkürliche Kursänderungen erfolgen, die die wesentlich schnelleren Piraten zur langwierigen Kursangleichungen zwingen. Insgesamt kann das Handelsschiff dabei das Unvermeidliche allerdings nur herauszögern: Sobald der Pirat auf Energiewaffendistanz herankommt, bleibt meist nur noch die Kapitulation.

Aufgrund der im Vergleich zu Piratengeschichten wenig romantischen Realität und der Brutalität vieler Piraten des Honorverse greifen Handelsschiffe auch nur dann zu verzögernden Maßnahmen, wenn die Hoffnung besteht, dass ein reguläres Kriegsschiff das eigene Schiff schneller erreichen kann als die Piraten. Besteht diese Hoffnung nicht, verhalten sich viele Frachter fügsam, um die Piraten nicht zu verärgern, was spätestens nach dem Entern unangenehme oder tödliche Konsequenzen hätte. Eine weitere Strategie besteht in der Aufgabe des Schiffes und der Evakuierung der Besatzung an Bord der mitgeführten Beiboote, so lange die Piraten noch nicht nah genug für einen gezielten Angriff auf die Fluchtshuttles sind.


Geleitzugsystem[]

In von Piraterie heimgesuchten Regionen des Honorverse organisieren die verschiedenen Raummächte häufig das so gennannte Geleitzugsystem, bei dem Frachter zu großen Konvois zusammengefasst werden, die von regulären Kriegsschiffen in Geleitzügen eskortiert werden. Dieses System stammt noch aus den Zeiten der "nassen" Marinen Alterdes. An den Geleitzügen beteiligen sich häufig die Raumflotten aller Anrainerstaaten - so eskortierten in der Silesianischen Konföderation sowohl die Royal Manticoran Navy wie auch die Kaiserlich-Andermanische Weltraumflotte Frachtschiffe aller Nationen. Während das Geleitzugsystem sehr effektiv auf den Hauptrouten ist, kann es nicht verhindern, dass einzelne Frachter doch noch Piraten zum Opfer fallen, nachdem sie sich irgendwann aus dem Verband lösen müssen, um als Einzelfahrer ihre individuellen Zielplaneten anzufliegen.


Direkte Bekämpfung[]

Eine weitere Maßnahme gegen die Piraterie ist wie zu allen Zeiten die direkte Bekämpfung mit eigens abgestellten, leichten bis mittelschweren Kriegsschiffen, die den Piraten in der Summe von Bewaffnung, Ausrüstung, Training und Disziplin weit überlegen sind. Diese Piratenjäger erhöhen durch ihre Anwesenheit in einem Raumgebiet das Risiko für die Piraten und veranlassen diese dazu, zeitaufwendig auf andere Regionen auszuweichen oder ihre Aktivitäten für die Dauer der Marinepräsenz einzustellen. Häufig versuchen diese Piratenjäger auch, sich in Verhalten und Energiesignatur als Frachter zu tarnen, um in Schussweite an verdächtige Schiffe heran zu kommen und Piratenschiffe aufzubringen oder zu zerstören. Die Piraten wiederum wissen um diese Taktik und die Erfahreneren unter ihnen wählen ihre Annäherungskurse so, dass sie jederzeit abbrechen können und achten penibel auf jedes Anzeichen, dass es sich bei ihrer Beute um ein getarntes Kriegsschiff handeln könnte.

Parallel zur aktiven Jagd auf einzelne Schiffe versuchen Marineeinheiten auch immer, die Rückzugsorte der Piraten zu finden und auszuschalten, wozu dann gegebenenfalls auch ganze Geschwader in Marsch gesetzt werden. Auch wird versucht, die Hintermänner zu ermitteln, um diese dann aus dem Verkehr zu ziehen oder - falls es sich beispielsweise um "ehrbare" Repräsentanten eines Staates handelt - überzeugenden Druck (wenn nötig in Form von Wallschiffen auf "Staatsbesuch") auf sie auszuüben. Langfristig sollen so die rechtsfreien Räume beseitigt werden, aus denen die Piraten operieren.

Eine Bewaffnung von Handelsschiffen (z. B. mit Laserclustern oder leichten Geschützen) ist nach interstellarem Recht nicht geregelt. Die Handelsschiffe wären mit einer Bewaffnung rechtlich in Kriegsschiffe umzuwandeln und verlören damit ihren Status als zivile und durch interstellare Abkommen geschützte Handelsschiffe. Dennoch gibt es vereinzelt bewaffnete Handelsschiffe in privater Hand, meist handelt es sich dabei um ehemalige militärische Flottenversorger, die weiterhin eine Kommission als "Flottenreserve" führen. Ein Beispiel hierfür ist die Pirate's Bane, ein ehemaliger andermanischer Versorger der Vogel Klasse. Ebenso sind die eigens für Silesia gebauten Atlas-Passagierliner des Hauptmann-Kartells bewaffnet... und das sogar vergleichsweise schwer.

Gegen Piraten werden gelegentlich auch so genannte Q-Schiffe eingesetzt - meist handelt es sich dabei um umgebaute, nun bewaffnete Frachter mit militärischer Besatzung, deren Aufgabe vor allem darin besteht, die Piraten insgesamt durch ihre Existenz und gelegentliche Abschüsse einzelner Piraten zu verunsichern - da es praktisch unmöglich ist, einen Frachter von einem Q-Schiff zu unterscheiden, und Piraten allgemein eher vorsichtige Zeitgenossen sind, die offene Auseinandersetzungen scheuen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie Angriffe im Zweifelsfall abbrechen.


Strafverfolgung[]

Piraterie gilt im Honorverse als Kapitalverbrechen und sämtliche Raumnationen und -flotten reagieren äußerst ungehalten darauf, vor allem, wenn dabei die Besatzung der angegriffenen Frachter zu Schaden kommt. Piraten werden bei aller unangebrachten Romantisierung in Holodramen oder Romanen im allgemeinen nicht als verwegene Abenteurer und Freigeister wahrgenommen, sondern als Bande von Mördern, Vergewaltigern und Dieben. Dementsprechend drakonisch sind die Strafen: Geraten Piraten in die Hände regulärer Behörden, droht ihnen die Todesstrafe, es sei denn, sie haben wertvolle Informationen anzubieten. Üblicherweise verfahren die gegen Piraten operierenden Raummächte dabei nach dem Prinzip, festgesetzte Piraten den lokalen Behörden für ein ordentliches Verfahren zu überstellen.

Bittere Erfahrung hat alle in der Piratenbekämpfung aktiven Raumflotten dabei gelehrt, dass es Regionen gibt, in denen die zuständigen Behörden unfähig, korrupt, mit den Piraten verbündet oder gleich alles auf einmal sind. Hier greifen die Piratenjäger oft direkt zur modernen Variante des früheren Aufhängens an der nächsten Rah: die Piraten werden nach Feststellung ihres Betätigungsfeldes ohne Raumanzug aus der Luftschleuse geworfen - es sei denn, sie haben wirklich wertvolle Infos zu bieten.

Ungeachtet dieser drakonischen Konsequenzen im Fall der Ergreifung finden sich jedoch jederzeit genug Männer - und erstaunlicherweise auch Frauen - die sich in der Piraterie betätigen, auch aus dem einfachen Grund, dass das Risiko, tatsächlich erwischt zu werden, je nach Operationsgebiet teilweise fast nicht existent ist oder die Piraten gute Kontakte zu den lokalen Behörden besitzen.

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