Honor Harrington Wiki
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Die Regierung High Ridge unter Führung von Michael Janvier, dem Baron von High Ridge, lenkte die politischen Geschicke des Sternenkönigreichs von Manticore von 1915 bis 1920 PD.


Sie folgte der Dritten Regierung Cromarty, die nach der Ermordung Premierministers Allen Summervale aufgrund einer Machtverschiebung im manticoranischen Oberhaus die Mehrheit verlor.

Die Regierung High Ridge war durch ihre Zusammensetzung, politische Kurzsichtigkeit, dünkelhafte Arroganz und ideologische Überheblichkeit verantwortlich für den Beinahe-Zusammenbruch der Manticoranischen Allianz und den Austritt Erewhons aus selbiger 1919 PD, trug Anteil am Scheitern der Friedensverhandlungen mit der Republik Haven und die Schuld am Verfall der Kampfbereitschaft und der Serie katastrophaler Niederlagen der Royal Manticoran Navy beim Wiederausbruch der Kampfhandlungen mit Haven 1919 PD.


Beteiligte Parteien[]

An der Regierung High Ridge waren folgende Parteien beteiligt:


Opposition[]


Minister[]

  • Premierminister: Lord Michael Janvier, Baron von High Ridge, Bund der Konservativen
  • Lordschatzkanzler: Lady Marisa Turner, Gräfin von New Kiew, Freiheitler
  • Erster Lord der Admiralität: Sir Edward Janacek, Bund der Konservativen
  • Handelsminister: Lord Stefan Young, Zwölfter Earl von North Hollow, Bund der Konservativen
  • Innenminister: Sir Harrison MacIntosh, Freiheitler


Grundlegende Fakten[]

Die Regierung High Ridge war ein Zusammenschluss von Parteien, die sich im Grunde eigentlich bis auf Blut hassen, da ihre Ideologien völlig gegensätzlich sind. Ihre Allianz war ein Zweckbündnis, das nur von ihrer gemeinsamen Furcht vor Königin Elisabeth III. Winton zusammengehalten wurde. Denn diese hatte nach dem Tode Summervales bei allen Parteien um Unterstützung für politische Kontinuität und eine Regierung unter William Alexander geworben. Die Zurückweisung dieser königlichen Bitte aus rein parteipolitischen Gründen hatte der Regierung High Ridge direkt den ersten und wahrscheinlich gefährlichsten Feind geschaffen: Die manticoranische Krone selbst.

Die beteiligten Parteien schlossen sich zu diesem Bündnis zusammen, um die Kronenloyalisten und Zentralisten im Augenblick des Sieges über die Volksrepublik Haven von der Regierungsgewalt zu verdrängen. Grund hierfür war die Furcht der führenden Köpfe, eine Regierung unter Führung der Zentralisten und Kronenloyalisten würde nach dem Sieg allgemeine Wahlen ausrufen - ein Vorgang, der laut Verfassung alle vier Jahre stattzufinden hat, es sei denn, es herrscht ein Notstand oder der Kriegszustand, wobei die nächsten Wahlen dann sofort nach Ende dieses Not- oder Kriegszustandes stattzufinden haben.

In diesen Wahlen hätten die Zentralisten und Kronenloyalisten, die den Krieg gegen Haven geführt und gewonnen hatten, fast schon zwangsläufig starke Zustimmung durch die Wähler erhalten und ihre Position gestärkt, wohingegen die Konservativen, die Freiheitler, die Progressiven und die Neuen Menschen durch ihre endlose Serie von Fehlentscheidungen und Irrtümern in wichtigen Fragen der Politik und der manticoranischen Position gegen Haven unweigerlich starke Verluste erlitten hätten. Damit wäre die Beinahe-Pattsituation im Oberhaus, die die Regierung Cromarty zur zahlreichen Zugeständnissen und Kompromissen gezwungen hatte, nicht mehr existent und Herzog Cromarty eventuell sogar in der Lage gewesen, wichtige Entscheidungen ohne die Zustimmung der Opposition zu treffen und den existierenden Status Quo unilateral und gegen deren Interessen zu verändern.

Die Wahlen so lange wie möglich hinauszuzögern und innenpolitisch verlorenes Terrain zurückzugewinnen, um so letztendlich den Status Quo zu bewahren oder bestenfalls in ihrem eigenen Sinne zu verändern, war also oberstes und alles andere überlagernde Ziel von High Ridge und seinen Verbündeten.


Innenpolitik[]

Die Regierung High Ridge konzentrierte sich überaus stark auf die Innenpolitik. Dies ist mehreren Faktoren geschuldet:

  • der ideologischen Ausrichtung der Beteiligten
  • dem starken Isolationismus in der Ideologie
  • den desolaten Umfrageergebnissen

High Ridge und seine Verbündeten trachteten danach, so viel Zeit wie möglich zu gewinnen, bevor sie allgemeine Wahlen ausrufen müssten und diese Zeit zu nutzen, um ihr ramponiertes Image zu kitten und innenpolitische Bonbons zu verteilen. Sie initiierten dazu mehrere Programme mit so wohlklingenden Nahmen wie "Den Frieden aufbauen", die sie dazu nutzten, ihren Parteigängern und bestimmten Bevölkerungsschichten Wohltaten zukommen zu lassen, sich also quasi deren Zustimmung zu kaufen. Hinzu kamen neue Institutionen wie die Royal Manticoran Astrophysics Investigation Agency (RMAIA) - zu deutsch: Königlich-Manticoranisches Astrophysikalisches Erkundungsamt - die nach außen mit besonders förderungswürdigen Aufgaben bedacht wurden, über deren Bücher sich jedoch auch Geld in schwarze Kassen umlenken ließ.

Ein weiteres Merkmal der Innenpolitik á la High Ridge war die taktische Platzierung von Schmutzkampagnen gegen wichtige Figuren der Zentralisten und Kronenloyalisten, um die Medien und das manticoranische Volk von wichtigen Themen abzulenken. Die bekannteste dieser Verleumdungskampagnen war die Kampagne gegen Herzogin Honor Harrington und Lord Hamish Alexander, denen man ein Verhältnis unterstellte und Alexanders Frau, die gelähmte Schriftstellerin Emily Alexander, dabei als Waffe missbrauchte. Ebenso war es üblich, abweichende politische Meinungen als ideologisch verblendetes Geschwafel und parteipolitisches Taktieren hinzustellen, ihre Vertreter generell als nicht qualifiziert hinzustellen und somit Diskussionen auf Augenhöhe zu vermeiden.

Ebenfalls ein offenes Geheimnis war die Erpressung von einzelnen Mitgliedern des Ober- und Unterhauses mit den so genannten North Hollow Dateien. Diese Dateien sicherten der Regierung die Stimmen von mehreren eigentlich unabhängigen Mitgliedern des Oberhauses und stellten die wirksamste innenpolitische Waffe der Regierung High Ridge dar.

Aus politischen und parteitaktischen Gründen verhinderte High Ridge die Aufnahme der Delegierten von San Martin ins Ober- und Unterhaus (da diese eher den Zentralisten und Kronenloyalisten zugeneigt waren), akzeptierte aber gleichzeitig aus taktischen Gründen den Aufnahmeantrag des Talbott Sternhaufens in das Sternenkönigreich. (HH9, HH10, SAG1)


Außenpolitik[]

So fixiert die Regierung High Ridge auf die Innenpolitik war, so ignorant und dilettantisch verhielt sie sich in der Außenpolitik.

Ihre erste außenpolitische Handlung bestand darin, unilateral das havenitische Waffenstillstandangebot anzunehmen und damit alle anderen Mitglieder der Allianz vor den Kopf zu stoßen - ein Umstand, der weder High Ridge noch einen seiner Verbündeten weiter interessierte, da sie die Alliierten Manticores als Barbaren und Bittsteller betrachteten, die sich glücklich schätzen durften, dass Manticore überhaupt seine Zeit an sie vergeudete.

Auch danach behandelte die Regierung High Ridge die Verbündeten Manticores nicht als Gleichberechtigte, sondern als Vasallen - was besonders auf Erewhon und Grayson zu massiver Verärgerung führte.

Gegenüber Haven betrieb High Ridge eine Politik der Verzögerung, da er den Kriegszustand so lange wie möglich aufrechterhalten musste, um die Sondersteuern weiter erheben und die allgemeinen Wahlen verzögern zu können. Dabei betrachtete er Haven als von der Gnade Manticores abhängig und nicht als ebenbürtigen Verhandlungspartner. Dass er mit diesem Auftreten Haven und ganz besonders die havenitische Präsidentin Eloise Pritchart verärgerte, interessierte dabei nicht weiter. Und die Tatsache, dass Haven zwar unterlegen, aber nicht besiegt war und die Zeit nutzte, um wieder auf die Füße zu kommen - eine völlig logische Reaktion auf die Niederlage - kam High Ridge und seinen Verbündeten nicht einmal in den Sinn.

Generell berief High Ridge fast nur Verbündete und Günstlinge auf Botschafterposten und andere Stellen, die mit Außenpolitik zu tun haben - und die verhielten sich dann genau so rückgratlos und unsensibel wie ihre Vorgesetzten.

Die Regierung High Ridge galt sehr schnell als "Wunder an Rückgratlosigkeit", die sich ihrer Verantwortung aus politischem Kalkül nicht stellt, vor Konfrontationen prinzipiell zurückschreckt (da sie eine Gefahr für die innenpolitische Stimmung darstellen und Geld kosten, das man lieber zum Stimmenkauf zweckentfremdete) und Prinzipien und Verpflichtungen je nach Situation beliebig opfert wenn es ihren Interessen dient.

All das reduzierte das Ansehen der Regierung High Ridge außerhalb Manticores innerhalb kürzester Zeit auf Null und erzeugte neben offener Verachtung auch weit gefährlichere Tendenzen. Die Andermaner unter Gustav XI. forcierten ihre Silesia-Politik, da sie davon ausgingen, dass unter einem Premierminister wie High Ridge die Gefahr, dass die RMN sich einer andermanischen Expansion in Silesia entgegenstellen könnte, viel geringer sei als unter seinen Vorgänger. Somit geriet Manticore praktisch in eine Zange zwischen dem Anderman Reich und Haven, während seine Verbündeten kaum noch Ambitionen besaßen, Manticore im Ernstfall beizustehen. (HH9, HH10, COS1)

Was noch viel schlimmer war, sich aber erst mit Verzögerung zeigen würde: Durch seine dilettantische Außenpolitik bestätigte High Ridges Regierung alle manticorefeindlichen Vorurteile, die in der Solaren Liga kursierten, als wäre sie eigens dafür angetreten. High Ridge ließ die unter seinen Vorgängern beständig praktizierte Politik, innerhalb der Liga medial die Darstellung des Sternenkönigreichs zu schützen, völlig schleifen. Im Endergebnis führte dies dazu, dass die ohnehin nie besonders hohe Meinung der Liga bezüglich des Sternenkönigreichs völlig verfiel, was wiederum den Boden für den Solarisch-Manticoranischen Krieg mit vorbereitete.


Militärpolitik[]

Das Geld für all diese innenpolitischen Projekte der Regierung High Ridge stammte vor allem aus dem Militärbudget - High Ridge plünderte das Flottenbudget schamlos aus und reduzierte mit Janaceks Hilfe die RMN zu einem Schatten ihrer selbst, obwohl kein offizieller Friedensvertrag mit Haven bestand. Die Schlachtgeschwader wurden von 8 auf 6 Schiffe verkleinert, was geschickt als "zehnprozentige Reduktion" verkauft wurde - real wurden dadurch aber dreiunddreißig(!) Prozent aller Wallschiffe ausgemustert. Die Rechtfertigung für diesen massiven Abbau bestand allein aus der Aussage, dass die RMN das Monopol auf Gondelleger, die neuen LACs und die LAC-Träger besäße und keine andere potentiell feindliche Raumflotte dieses Monopol unbemerkt aufheben könne - und selbst dann besäße die RMN einen "Vorsprung" von knapp 60 Podnoughts und es befänden sich mehr als 100 Schiffe in verschiedenen Phasen der Fertigstellung. Außerdem wurde angeführt, die Wallschiffe der Grayson Space Navy und der Erewhon Navy wären de facto Teil der manticoranischen Kräfte, weil man diese beiden Verbündeten "in der der Tasche habe". Man ging davon aus, das weder GSN noch EN ohne manticoranische Hilfe ihre Flotten unterhalten und aktuell halten könnten - dass diese Verbündeten das vielleicht ganz anders sehen könnten, fiel dabei nicht weiter ins Gewicht.

Unter Janacek konzentrierte sich die Admiralität der RMN auf den Ausbau der leichten Kräfte, also der Schiffe, die für den Schutz des Handels benötigt wurden, und den Aufbau der LAC-basierten Systemverteidigung. Innovationen oder neue Schiffsdesigns wurden dabei allerdings erst einmal unter dem Gesichtspunkt ihrer Kosten betrachtet und nach Möglichkeit vermieden, da man ja (aus eigener Sicht) einen bequemen Vorsprung hatte. Stattdessen wurden bestehende Designs gebaut - die RMN stagnierte also auch hier weitestgehend.

Gleichzeitig wurde die manticoranische Navy politisch gesäubert. Die Mehrzahl der Flaggoffiziere, die während des Krieges aktiv waren, waren von der Mourncreek Admiralität berufen worden. Sie hatten aktive Kampfhandlungen er- und vor allem auch überlebt und neigten allein schon deshalb zwangsläufig eher zur Haltung der Zentralisten und Kronenloyalisten statt der ideologischen Phantasien und Wunschträumereien der Regierung High Ridge. Auch besaßen sie unbequeme, unabhängige Meinungen und Ansichten und waren Janacek deshalb zuwider. Die Zwote Janacek Admiralität entfernte diese missliebigen und unbequemen Offiziere deshalb von ihren Posten. Sie wurden durch Offiziere ersetzt, die der Politik und Weltsicht der Regierung High Ridge zustimmten. Mit anderen Worten wurden fast alle fähigen Offiziere auf Halbsold ge- und durch politische Günstlinge ersetzt, die ihre Positionen durch das richtige Parteibuch und weniger durch Können und Fähigkeit erlangten. Damit mutierte die Führungsspitze der RMN zu einem Wasserkopf voller unfähiger und überheblicher Nieten und rückgratloser Ja-Sager, die so lange die Augen vor der Realität verschlossen (oder sich nicht trauten, etwas zu sagen, aus Angst, sie könnten ihre Posten verlieren), bis es wirklich nicht mehr anders ging und die politischen Spielchen ihrer Herren und Meister unterstützten. Die wenigen Ausnahmen, zumeist Offiziere, die sich wiederum aus politischen Gründen nicht entfernen ließen, wie zum Beispiel Admiral Theodosia Kuzak, wurden auf Posten außerhalb des Heimatsystems versetzt, wo sie den politischen Spielchen nicht gefährlich werden konnten. Die neuen Kommandooffiziere setzten eine gefährliche Tendenz in Gang - ihre Nachlässigkeit färbte auf ihre Umgebung ab und setzte sich nach unten fort, bis sie alle Bereiche durchdrang. Die verbliebenen fähigen Offiziere waren meist zu rangniedrig, um etwas dagegen auszurichten und versuchten, irgendwie zurecht zu kommen.

Alles in allem büßte die RMN praktisch ihre gesamte Kampfkraft ein und der Vorteil, auf dem die Regierung High Ridge sich ausruhte, existierte nach einiger Zeit nur noch auf dem Papier und in den geschönten Berichten des ONI, die mit der Wirklichkeit kaum noch etwas gemein hatten oder Erkenntnisse fatal unterschätzten. 1918 PD war die RMN zahlenmäßig sogar nur noch zwotstärkste Navy der Allianz, viele ihrer Flagg- und Kommandooffiziere noch nicht einmal mehr Durchschnitt und der Ausbildungsstand beschämend.

Den Preis für diese Politik zahlten dann die Angehörigen der RMN kurz darauf während Unternehmen Donnerkeil in den Raketensalven der havenitischen Podnoughts, die die Republikanische Navy von Haven angeblich nicht hatte. (HH10)


Politischer Umgangston und Klima[]

Generell teilte die Regierung High Ridge alle sie umgebenden Individuen zunächst einmal in Freund oder Feind ein - Freund war, wer identisch dachte und die Regierung unterstützte, Feind jeder, der sich eine abweichende Meinung oder sogar offene Opposition erlaubte. Hinzu kam die Einordnung in die gesellschaftliche Hierarchie - hierarchisch niedriger Gestellte in der Opposition wurden dabei prinzipiell als unbedeutend, unwissend und dumm hingestellt, aber auch gesellschaftlich Gleich- oder sogar Höhergestellte wurden bei jeder Gelegenheit abqualifiziert und als überbewertet dargestellt. Es versteht sich fast von selbst, dass High Ridge und Co jedem, der ihnen nicht zustimmte, mit Verachtung und Feindseligkeit begegneten.

Das traditionell enge politische Verhältnis zwischen Premierminister und Krone starb unter der Regierung High Ridge eines sehr schnellen und hässlichen Todes. Elisabeth III. von Manticore verachtete ihren Premierminister und seine Spießgesellen schließlich dermaßen, dass sie die Kontakte auf ein Minimum reduzierte und nur noch die wirklich absolut notwendigen Pflichtkontakte aufrecht erhielt. Gleichzeitig besprach sie wichtige politische Themen lieber mit ihrem Kronrat und betrieb eigene Politik an ihrer eigenen Regierung vorbei, vor allem, um den außenpolitischen Schaden zu begrenzen. Paradoxerweise stabilisierte diese ständig wachsende Feindseligkeit Elisabeths die Regierung High Ridge. Denn Premierminister High Ridge und seinen Verbündeten war vollkommen klar, dass Königin Elisabeth sie bei der ersten sich bietenden Gelegenheit politisch vernichten würde. (HH10, COS1)


Resultate und Auswirkungen[]

Die Regierung High Ridge kann ohne jede Übertreibung als das Schlimmste bezeichnet werden, was Manticore politisch jemals widerfahren konnte. Eine Anhäufung von Dilettantismus, Ignoranz, Überheblichkeit, Rückgratlosigkeit, Amoralität, Korruption und ideologischer Verblendung. Kombiniert mit der herrschenden Situation der größten je erfolgten politischen Veränderung des Sternenkönigreichs und der Ungewissheit eines Waffenstillstandes am Ende eines Krieges konnte die Katastrophe nicht größer sein.

High Ridge und seine Spießgesellen konzentrierten sich so sehr auf die Reparatur und Verbesserung ihres Images, die Umsetzung ihrer unrealistischen Ideologien und den Erhalt des innenpolitischen Status Quo - also ihrer kostbaren Privilegien - trotz aller Wandlungen um sie herum, dass alles andere für sie keine Bedeutung hatte, am aller wenigsten die Meinungen und Empfindlichkeiten von Fremdweltlern. Die unverrückbare Tatsache, dass das Universum und vor allem die anderen politischen Gebilde im von Menschen besiedelten Raum jedoch ein Eigenleben besitzen und damit eine eigene Art zu reagieren und wahrzunehmen, war nicht von Interesse. Damit fuhren sie Manticore außenpolitisch auf lange Sicht praktisch vor die Wand.

Auf die Verschlechterung der außenpolitischen Lage reagierte die Regierung High Ridge mit Verdrängung und Aussitzen und konzentrierte sich noch mehr auf die Innenpolitik, da die Wählerschaft natürlich von den außenpolitischen Problemen erfuhr und die Meinungsumfragen zur Arbeit der Regierung entsprechend schlecht ausfielen. Je mehr die Umfragen absackten, also die langfristigen Ziele High Ridges den Bach runtergingen, um so mehr verdrängten High Ridge und Co die Realität und flüchteten sich in Wunschdenken und Schönfärbereien, die an mutwillige Fahrlässigkeit und schließlich Hochverrat grenzten. Einfach ausgedrückt versuchten sie die Realität an ihre Wünsche und Vorstellungen anzupassen und nicht umgekehrt.

Anstatt sich also den Tatsachen zu stellen, ihre Irrtümer und Fehler zu analysieren, gegenzulenken und die Konsequenzen zu tragen, ließ die Regierung High Ridge um des eigenen Überlebens und des Erhalts des Status Quo willens zu, dass das Sternenkönigreich von Manticore in die Katastrophe schlitterte.

Das Ende aller Illusionen war der Hammerschlag des havenitischen Unternehmen Donnerkeil, das die manticoranischen Positionen im havenitischen Raum überrollte, Grendelsbane Station und das manticoranische Schiffbauprogramm vernichtete und zehntausende Angehörige der RMN das Leben kostete. Dieser Hammerschlag traf auf den Amboss des kurz zuvor erfolgten Austritts Erewhons aus der manticoranischen Allianz und den Beinahe-Zusammenbruch derselben.

High Ridges Regierung sollte Donnerkeil nicht überstehen. Königin Elisabeth, die ganz genau wusste, was die Stunde geschlagen hatte und wer dafür die Verantwortung trug, war die Erste, die sich revanchierte. Als High Ridge ihr gemäß seiner Pflichten die Nachricht vom Wiederaufflammen des Krieges persönlich überbringen musste, ließ sie zuvor alle Sitzgelegenheiten aus ihrem Büro entfernen, ihn vor dem Schreibtisch Rapport stehen und verweigerte ihm offen ihre Unterstützung bei seinem von parteipolitischem Taktieren getriebenen Vorhaben zur Bildung einer Einheitsregierung. Als dann das ganze Ausmaß des militärischen und politischen Desasters öffentlich bekannt wurde, blieb High Ridge nur der offizielle Rücktritt und der politische Ruin. Auch alle anderen Mitglieder seiner Regierung waren politisch erledigt, Sir Edward Janacek beging sogar Selbstmord, als ihm die Tragweite seines eigenen Versagens und seiner Fahrlässigkeit bewusst wurden.

Elaine Descroix flüchtete aus dem Sternenkönigreich, da sie hohe Summen unterschlagen hatte und mit einer Anklage wegen Hochverrats rechnen musste. Später wurde sie im Auftrag des Mesanischen Alignments beseitigt, da sie eine gefährliche Zeugin war - denn sie hatte die Friedensverhandlungen mit Haven auf subtile Weisung des Alignments hin bewusst verschleppt.

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